Ab in die Cloud?

Ab in die Cloud?

Wo sind Daten, Dokumenten und Services am besten aufgehoben? Antworten für die Real Estate Branche.

Architrave COO Ashley Smallwood beschreibt in seinem Beitrag „Systemumstellung: Ersetzen versus Umarmen“ gute Gründe für den Abschied von veralteten Software-Vermächtnissen. Wer die Systemumstellung wagt, sieht sich mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Eine zentrale Entscheidung, die zu fällen ist: „Cloud“ oder „On-Premise“?

Cloud und On-Premise: Definition und Einordnung


On-Premise

On-Premise heißt so viel wie «vor Ort» und bedeutet, dass das Unternehmen eine Software, bzw. Lizenzen, kauft oder mietet und diese in die firmeneigene IT-Infrastruktur installiert. Betrieb, Wartung, System- und Datensicherheit sowie der Support liegen in der Eigenverantwortung des Unternehmens.

Cloud

Bei einer Cloud werden Daten und Dokumente auf externen Systemen gelagert. Die IT-Ressourcen innerhalb einer Cloud-Umgebung sind jederzeit und kurzfristig verfügbar (on-demand) und werden in der Regel auch nutzungsbasiert abgerechnet. Alle Cloud-Ressourcen und -Services werden üblicherweise nach einem Schichtenmodell unterteilt:

  • Infrastructure as a Service (IaaS)
    Über den Cloud-Anbieter werden nur die grundlegenden IT-Ressourcen bezogen, wie zum Beispiel Rechenleistung, Speicher oder Netzwerkkapazität. Bei diesem Modell muss der Kunde in der Regel die Infrastruktur aus den einzelnen Komponenten selbst zusammenstellen. Hierbei hat er zwar die volle Kontrolle über Betriebssysteme und Anwendungen, aber auch die Verantwortung für alle notwendigen Patches (Fehlerbehebungen) und Backups.
  • Platform as a Service (PaaS)
    Bei PaaS handelt es sich um ein Betriebsmodell, bei dem der Cloud-Anbieter eine Plattform und Entwicklerwerkzeuge bereitstellt, die es dem Anwender ermöglichen, eigene Cloud-basierte Anwendungen zu entwickeln und zu betreiben. Durch den PaaS-Anbieter werden alle notwendigen Ressourcen und Services zur Verfügung gestellt, welche den Betrieb einer eigenen Cloud-Anwendung sehr vereinfachen.
  • Software as a Service (SaaS)
    SaaS repräsentiert die oberste Schicht im Cloud-Modell und ist auch das gängigste Prinzip einer Cloud. Ein SaaS-Anbieter stellt seine eigene Anwendung für die Benutzer in der Cloud zur Verfügung. Die Anwender zahlen für Nutzung dieser Software – meistens einen monatlichen Betrag. Darüber hinaus müssen keine Systeme angeschafft oder Lizenzen gekauft werden. Auch der volle Betrieb und alle notwendigen Services werden vom SaaS-Anbieter übernommen: Sicherheit, Patches (Fehlerbehebung), Backups, Skalierung. Kunden benötigen also weder eigene Server noch ausgebildete IT-Spezialisten, die sich um Updates und Wartung kümmern. Der eigene Aufwand für die Verwaltung und Sicherung von Daten fällt dadurch deutlich geringer aus. Die bekanntesten Software-as-a-Service sind unter anderen Microsoft Office 365, Salesforce und Google Apps.


Private Cloud

Neben den öffentlich verfügbaren Cloud-Anbietern nutzen Unternehmen auch private Cloud-Umgebungen, welche ausschließlich für diese Organisation betrieben wird. Die Cloud-Umgebung kann hierbei auf firmeneigener Hardware bzw. im firmeneigenen Rechenzentrum betrieben werden oder aber auch durch Dritte erfolgen.

Hybride Cloud

Kombiniert ein Unternehmen die verschiedenen Betriebsformen, bezeichnet man dies als eine hybride Cloud-Lösung. Zum Beispiel wenn das Dokumentenmanagement in der Cloud aufgehoben ist, andere Softwarelösungen aber im Eigenbetrieb (On-Premise) laufen. Eine hybride Cloud-Strategie liegt auch vor, wenn mehrere öffentliche Cloud-Anbieter kombiniert werden – zum Beispiel Amazon und Microsoft. Auf diese Weise werden einseitige Abhängigkeiten verhindern und Ausfallrisiken minimiert. Allerdings bringt dieses Betriebsmodell einen hohen Aufwand in der Entwicklung und im Betrieb mit sich.

Dank Cloud-Lösungen: Auf das Wesentliche konzentrieren

Cloud und On-Premise im Vergleich


Stellt man den Betrieb einer Software auf den eigenen Servern der Cloud-Lösung gegenüber, liegen die Vorteile auf der Hand. Auf der Cloud-Seite fallen lediglich Nutzungsgebühren sowie gegebenenfalls Kosten für Konfigurationen und Schulungen an. Der Kunde nutzt die gewünschte Anwendung, hat den Kopf frei und kann sich voll auf seinen Business Case konzentrieren.

Bei einem lokalen On-Premise-Betrieb ist der Block der laufenden Kosten deutlich umfangreicher. Neben den Anschaffungskosten für Hardware und Softwarelizenzen entstehen auch hohe Folgekosten – zum Beispiel für den Ersatz oder das Upgraden von Hardware, Fixes, Patches, Netzwerk, Datenbanken und Sicherheit. Nicht zu vergessen das notwendige IT-Know How und Personal, dass ggf. gefunden oder geschult werden muss.

Die Entlastung im Cloud-Betrieb trägt ihren Anteil dazu bei, dass die allgemeine Akzeptanz gegenüber Cloud-Lösungen in den vergangenen Jahren massiv zugenommen:


Und mit Sicherheit ein gutes Gefühl…

Das Rückgrat des eigenen Unternehmens in Form sensibler Daten in fremde Hände zu legen verursacht manchen Entscheidern Magenschmerzen. Als naheliegende Konsequenz wird schnell über eigene Server nachgedacht. Ein nachvollziehbarer Reflex, aber: Von großen Konzernen einmal abgesehen wird kaum ein Unternehmen in der Lage sein, einen solchen Aufwand selbst und vor allem kosteneffizient zu betreiben.

Insbesondere wenn es um die permanente Verfügbarkeit des Servers geht, stoßen kleine und mittelständische Unternehmen mit der Inhouse-Lösung schnell an ihre Grenzen. Serverausfälle durch Defekte, Stromausfälle, Brände oder Überschwemmungen sind dann mit immens hohem Zeit- und Kostenaufwand – im worst case sogar mit dem Verlust wichtiger Daten verbunden. Steht für Wartung, Hardware- und Lizenzaktualisierung und regelmäßige Backups kein eigenes IT-Department in den Startlöchern, sieht es für die Sicherheit der Daten auch bei der Inhouse-Lösung eher düster aus.

 

Über den Autor:

MARTIN ROTHENBERGER (CTO)

Martin Rothenberger verfügt über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung als CTO, Gründer, Agile Coach und Interim Manager. Er war u.a. europaweit als IT-Coach für die Unternehmensberatung Accenture tätig. Zu seinen weiteren Stationen zählten u.a. E.ON sowie die Start-Ups DailyDeal (erfolgreicher Exit an Google), MyToys.de (Otto Gruppe) und Valmano (ProSiebenSat.1 Gruppe).