Erfolgreiche Digitalisierung: Auf Standards gebaut!

Was haben die Gesundheitsbranche, die Tourismusindustrie und die Immobilienwirtschaft gemeinsam? Alle drei wurden von der Digitalisierung erfasst. Technologien wie Künstliche Intelligenz, Robotic Process Automation (RPA) und digitale Plattformen können ihr volles Potential jedoch nur dort entfalten, wo einheitliche Datenstandards zur Anwendung kommen.

Das Ziel: reibungsloser Datenaustausch

Im Gesundheitswesen bemüht man sich in Deutschland schon seit geraumer Zeit darum, ein nationales eHealth-Zielbild zu schaffen, um Gesundheits- und Forschungsdaten sinnvoll in Austausch zu bringen.

Im Tourismus herrscht bereits seit 2012 mit dem Offenen Touristischen Datenstandard (OTDS) ein Format, das Daten von Reiseveranstaltern, Hotels, Airlines, Mietwagenanbietern und Co. einheitlich in Reisebüro-Softwares und Online-Buchungssysteme speist.

Und die Immobilienwirtschaft? Der Austausch von Daten muss auch hier immer schneller an immer mehr Empfänger mit gestiegenem Datenvolumen und höherem Schnittstellenaufgebot erfolgen – und das mit maximaler Sicherheit und höchsten Standards beim Datenschutz. Sei es bei Transaktionen, beim Reporting oder Risikomanagement, im Asset Management, in der Vermietung oder im Vertrieb. Ziel ist es, von jedem Gebäude einen sogenannten digitalen Zwilling vorzufinden, um für alle Belange rund um eine Immobilie die relevanten Parameter in seinen Systemen abrufen zu können.

Der Weg zum Standard

Hauptakteur bei der Entwicklung von Standards ist die gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V., die 2016 mit ihrer Richtlinie zum Immobilien-Daten-Austausch (gif-IDA) den Prozess einläutete.

In dem Leitfaden wurden in einem Prozessmodell alle relevanten Prozesse, die bei einem Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Marktteilnehmern der Immobilienwirtschaft auftauchen können, definiert und mittels Datenfeldern klar benannt.

Der gif-Musterindex gilt als maßgebliche Instanz für branchenweite Einheitlichkeit im Datenmanagement und wird durch die neue Datenraumrichtlinie weitere Verbreitung erfahren. So weit, so gut.

TEMPO MACHEN, ALLE SIND GEFRAGT!

Die Unternehmen der Immobilienbranche dürfen aber nicht allein abwarten und den Prozess an die gif-Arbeitsgruppen delegieren. Engagement und eigene Initiative sind von allen Beteiligten gefragt. Besonders wenn es darum geht, die unternehmensinternen, eingespielten und gewachsenen Standards zumindest teilweise dem Branchenkonsens zu „opfern“. Standards müssen nicht nur entschieden, sondern auch umgesetzt werden. Das bedeutet Aufwand, stellenweise auch Reibungsverluste bis die Umstellungen Früchte tragen.

Digitalisierung: Immer ein Gemeinschaftsprojekt

Eins ist klar: Fehlende oder mangelnde Standards hemmen die Geschäftsentwicklung. Ohne ein gemeinsames Fundament aus definierten und akzeptierten Standards bleibt nicht nur jede Kooperation, jede Transaktion, jeder Daten- oder Dokumentenaustausch eine umständliche und ressourcenintensive Angelegenheit.

Im gleichen Maße wird die weitere Digitalisierung durch neue Geschäftsmodelle verzögert, wenn nicht sogar verhindert. Fehlende Standards sind deshalb kein individuelles Versäumnis. Tatsächlich verliert die gesamte deutsche Immobilienwirtschaft dadurch wichtige Zeit im globalen Wettbewerb.

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